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New Clues (Deutsche Übersetzung) – Die neuen Thesen von den Verfassern des Cluetrain Manifest

Im Jahr 1999 verfassten Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger das viel beachtete „Cluetrain Manifest“. Dabei handelt es sich um 95 Thesen über das Verhältnis von Unternehmen zu ihren Kunden im Zeitalter des Internets.

Dies ist nun sage und schreibe mehr als 15 Jahre her. Gefühlt also eine Art Höhlenmalerei in der digitalen Steinzeit. Dennoch sind viele dieser Thesen auch heute noch top aktuell.

Nun haben zwei der damaligen Autoren die „New Clues“ veröffentlicht. Dabei handelt es sich 121 weitere Thesen. Sie plädieren dafür das offene Wesen des Internet zu erhalten und die grundsätzlichen Werte des Netzes nicht aus den Augen zu verlieren. Auch zum Thema Kommerzialisierung und Werbung finden die Verfasser einige kritische Worte.

Als große Fans – sowohl der alten, als auch der neuen Thesen – haben wir uns dazu entschieden, die „New Clues“ zu übersetzen und hier bei uns im Blog auf Deutsch zur Verfügung zu stellen. Wir wünschen viel Spass damit!

Beginn der Übersetzung

Höre, Internet.

Es ist schon 16 Jahre seit unserer letzten Meldung.

In dieser Zeit haben die Menschen – Sie und ich und alle unsere Freunde von Freunden von Freunden, bis hin zu Kevin Bacon – das Internet zu einem tollem Ort gemacht, gefüllt mit Wundern und Wichtigkeiten.

Von den Ernsten, über das LOLwerte bis hin zu WTF, haben wir Titanen zerstört und Helden erschaffen. Dabei haben wir grundlegende Annahmen verändert, wie die Dinge funktionieren und wer wir sind.

Aber jetzt ist all die gute Arbeit, die wir zusammen gemacht haben, tödlichen Gefahren ausgesetzt.

Als wir zum ersten Mal vor Euch getreten sind, ging es darum vor der Gefahr zu warnen, die von denjenigen ausging, die nicht verstanden, dass sie das Internet nicht richtig verstanden.

Dies waren die Narren, die Unternehmen, die lediglich die Fangmethoden des Internet übernommen haben.

Jetzt bedrohen zwei weitere Horden alles, was wir für einander aufgebaut haben.

Die Marodeure verstehen das Internet nur zu gut. Sie betrachten es als das ihre, um es zu plündern, unsere Daten und unser Geld daraus zu ziehen und uns zum Narren zu halten.

Aber die gefährlichste von allen ist die dritte Horde: Wir alle.

Eine Horde ist eine undifferenzierte Masse von Menschen. Die Herrlichkeit des Internet jedoch ist, dass es erlaubt uns als vielfältige und verschiedene Individuen miteinander zu verbinden.

Wir alle lieben Entertainment und Massenmedien. Verdammt, TV ist ziemlich großartig geworden. Und das Netz lässt es uns sehen, wann wir wollen. Herrlich.

Aber wir müssen uns daran erinnern, dass die Verbreitung von Massenmedien das unwichtigste Element in all den Möglichkeiten des Internets ist.

Die Supermacht des Netzes besteht darin, dass wir uns alle ohne Genehmigung miteinander vernetzten können. Seine allmächtige Kraft ist, dass wir daraus machen können, was wir wollen.

Daher ist es nicht an der Zeit, sich zurückzulehnen, das ach so leckere Junk-Food zu konsumieren, welches von Narren und Marodeuren angeboten wird und so zu tun, als ob unsere Arbeit erledigt wäre. Es ist höchste Zeit das Feuer wieder anzufachen und jene Institutionen zu verändern, die uns an der Nase herumführen.

Es herrscht bereits eine Leichenfledderei, bei der dem Internet bereits Organ für Organ entrissen wird. Täuschen Sie sich nicht: Mit einem Federstrich, einem simplen Handstreich oder indem wir die Tränen der Betroffenen trocknen lassen, können wir das Internet, so wie wir es lieben, verlieren.

Wir kommen zu Ihnen aus den Jahren vom Anfang des Webs. Wir sind alle zusammen im Internet erwachsen und alt geworden. Die Zeit läuft uns davon.

Wir, die Menschen des Internets, müssen uns der Herrlichkeit seiner Offenbarung erinnern, damit wir nun zurückfordern, was es wirklich ist.

Doc Searls David Weinberger 8. Januar 2015

Wir waren einmal jung im Garten…

a) Das Internet sind wir, verbunden.

1. Das Internet besteht nicht aus Kupferdraht, Glasfaser, Funkwellen oder Rohren.

2. Die Geräte, die verwenden, um die Verbindung zum Internet herzustellen, sind nicht das Internet.

3. Verizon, Comcast, AT & T, Deutsche Telekom und ?? ?? sind nicht die Eigentümer des Internet. Facebook, Google und Amazon sind nicht die Könige des Netzes, auch nicht ihre Lakaien oder Algorithmen. Weder die Regierungen der Erde noch ihre Wirtschaftsverbände haben die Zustimmung der Vernetzten, um über das Netz zu herrschen.

4. Wir betrachten das Internet als herrenloses Allgemeingut.

5. Der Wert des Internets basiert auf uns und all dem, was wir gemeinsam aufgebaut haben.

6. Das Netz is ist über uns, von uns und für uns.

7. Das Netz gehört uns.

b) Das Internet ist nichts und hat keinen Zweck.

8. Das Internet ist genauso wenig eine Sache wie die Schwerkraft. Beide halten uns zusammen.

9. Das Internet ist der Inbegriff einer nicht-Sache. In seinem Kern ist das Internet eine Reihe von Vereinbarungen, die die Geeks unter uns (lange sollen ihre Namen geheiligt werde) als „Protokolle“ oder die wir vielleicht in der Stimmung des Tages als „Gebote“ bezeichnen.

10. Das erste unter diesen lautet: Dein Netzwerk soll alle Pakete gleich schnell ihrem Ziel näher bringen, ohne Bevorzugung oder Verzögerung basierend auf Ursprung, Herkunft, Inhalt, oder Vorsatz.

11. Dieses erste Gebot öffnet das Internet für alle Ideen, Anwendungen, Unternehmen, Bestreben, Laster oder was auch immer.

12. Seit der Erfindung der Sprache gab es kein Werkzeug mit einem solch umfassendem Zweck.

13. Das bedeutet, dass das Internet für nichts Spezielles dient. Nicht für soziale Netzwerke, nicht für Dokumente, nicht für Werbung, nicht für Unternehmen, nicht für die Bildung, nicht für Porno, für nichts. Es ist speziell für alles gestaltet.

14. Die Optimierung des Internet für einen einzigen Zweck reduziert seinen Wert für alle andere Zwecke.

15. Das Internet ist wie die Schwerkraft wahllos in seiner Anziehung. Es zieht uns alle gleichermaßen an, die Tugendhaften wie die Schlechten.

c) Das Netz besteht nicht aus Content.

16. Es gibt zahllose beeindruckende Inhalte im Internet. Aber Heilige Mutter Gottes, das Internet besteht nicht aus Content.

17. Das erste Gedicht eines Teenagers, die glückselige Freigabe einer langen gehütetes Geheimnis, eine feine Skizze von einer gelähmten Hand gezeichnet, ein Blog-Post in einem Regime, das den Klang der Stimmen seiner Bevölkerung hasst – keiner dieser Menschen setzte sich hin, um Inhalte zu schreiben.

18. Haben wir das Wort „Inhalt“ ohne Anführungszeichen verwendet? Wir fühlen uns so schmutzig.

d) Das Netz ist kein Medium.

19. Das Internet ist genau so wenig ein Medium, wie ein Gespräch ein Medium ist.

20. Im Netz sind wir alle das Medium. Wir sind es, die Nachrichten versenden. Mit jedem Retweet, Link in einer Mail oder Posting in einem Sozialen Netzwerk.

21. Im Gegensatz zu einem Medium, hinterlassen Du und ich dabei unsere Fingerabdrücke, und manchmal Bissspuren, auf den Botschaften, die wir weitergeben. Wir sagen den Leuten, warum wir etwas versenden. Wir debattieren darüber. Fügen einen Witz hinzu. Trennen ein Teil heraus, den wir nicht mögen. Wir machen uns diese Meldungen zu eigen.

22. Jedes Mal, wenn wir eine Nachricht durch das Netz senden, trägt sie ein wenig von uns in sich.

23. Wir bewegen eine Nachricht nur durch diese „Medium“, wenn sie uns in einer der unzähligen Arten wichtig ist, um die wir Menschen uns kümmern.

24. Sich kümmern – etwas ausmachen – das ist die treibende Kraft des Internets.

e) Das Web ist ein weite Welt.

25. Im Jahr 1991 hat Tim Berners-Lee das Netz genutzt, um uns kostenlos ein unschätzbares Geschenk zu machen: Das World Wide Web. Danke.

26. Tim schuf das Web, indem er Protokolle (da ist dieses Wort schon wieder!) verwendete, die beschreiben, wie man eine Seite mit ein anderen Seite verknüpfen kann, ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen.

27. Bamm! Innerhalb von zehn Jahren entstanden Milliarden Internetseiten. Dies kam einer gemeinsamen Anstrengung in der Größenordnung eins Weltkriegs gleich. Dabei war diese so harmlos, dass die größte Beschwerde das <blink> Tag war.

28. Das Web ist eine unglaublich große, semi-persistentes Reich aus Artikeln, die durch die Dichte der Zwischenverbindungen auffindbar sind. 

29. Klingt vertraut. Oh ja, so sieht unsere Welt heute aus.

30. Im Gegensatz zu der realen Welt, wurde jedes Ding und jeder Verbindung im Web von einigen von uns zusammengesetzt, um ein Interesse und eine Annahme auszudrücken, wie all diese kleinen Teile zusammenpassen.

31. Jeder Link von einer Person, die etwas sagen möchte, ist ein Akt der Großzügigkeit und Selbstlosigkeit, um andern Menschen die Möglichkeit zu geben zu sehen, wie die Welt für jemanden anders aussieht.

32. So entsteht eine Neuauflage der Welt aus unserm kollektiv zusammengesetzten Bild.

Aber oh, wie wir herumirren liebe Brüder und Schwestern…

a) Wie haben wir es zugelassen, das unsere Gespräche bewaffnet wurden?

33. Es ist wichtig das Gespräch, die Freundschaft, die tausend Handlungen der Sympathie, Freundlichkeit und Freude wahrzunehmen, die uns im Internet begegnen.

34. Und doch hören wir das Wort „Schwuchtel“ und „Nigger“ weit mehr im Netz als außerhalb.

35. Die Dämonisierung von „ihnen“ – Menschen mit Ansichten, Sprachen, Meinungen, Mitgliedschaften und andere Gruppierungen, die wir nicht verstehen, mögen oder tolerieren – ist im Internet schlimmer als je zuvor.

36. Frauen in Saudi-Arabien dürfen kein Auto fahren? Gleichzeitig kann die Hälfte von uns nicht frei im Internet sprechen, ohne über die Schulter zu schauen.

37. Im Netz ist Hass vorhanden, da dieser in der Welt allgegenwärtig ist. Aber das Web macht es einfacher diesen auszudrücken und zu hören.

38. Die Lösung: Wenn wir eine Lösung hatten, würden wir Euch nicht mit diesen verdammten Thesen belästigen.

39. Wir können nur so viel sagen: Hass hat nicht das Internet hervorgebracht – aber er hält uns und das Internet zurück.

40. Lassen Sie uns zumindest anerkennen, dass das Netz implizierte Werte hat. Werte der Menschlichkeit.

41. Nüchtern betrachtet Besteht das Netz einfach aus Technologie. Aber es wird von Wesen bewohnt, die sich mit Herzblut um Dinge kümmern, die ihnen wichtig sind: Ihr Leben, ihre Freunde, die Welt, die wir teilen.

42. Das Netz bietet uns einen Platz in dem wir so sein können, wie wir sind, gemeinsam mit anderen die sich unseren Unterschieden erfreuen können.

43. Dieser Platz gehört niemandem. Alle können ihn benutzen. Jeder kann ihn verbessern.

44. Das ist, was ein offenes Internet ist. Es wurde schon für weit weniger Kriege geführt.

b) „Wir sind uns bei allen Dingen einig. Ich finde Dich faszinierend!“

45. Die Welt liegt vor uns wie ein reich gefülltes Buffet. Und doch bleiben wir bei unserem Steak und Kartoffeln, Lammfleisch und Hummus, Fisch und Reis, oder was auch immer.

46. Wir machen dies teilweise, weil Gespräche eine gewisse Grundlage erfordern: Gemeinsame Sprache, Interessen, Normen, Vereinbarungen. Ohne diese, ist es schwer oder sogar unmöglich, ein Gespräch zu führen.

47. Gemeinsames Terrain bringt Stämme hervor. Der feste Erdboden hat Stämme von einander ferngehalten. So konnten großartige Unterschiede entstehen. Wir sollten uns glücklich schätzen. Aber Stämme nähren das Uns gegen Sie und das führen von Kriegen. Und schon sinkt schnell die Freude.

48. Im Internet beginnt die Entfernung zwischen unterschiedlichen Stämmen mit Null.

49. Offensichtlich ist es nicht so einfach sich gegenseitig interessant zu finden, wie es auf den ersten Blick erscheint.

50. Das ist eine Herausforderung, die wir nur durch Offenheit, Sympathie und Geduld meistern können. Es ist machbar. Aber nur als Team! Wir alle sind eins! Wir alle sind eins!

51. Man sollte offen und einladend sein. Das Netz sollte vom Besten der Kulturen unserer realen Welt lernen.

c) Marketing macht es noch immer schwieriger zu sprechen.

52. Beim ersten mal lagen wir richtig: Märkte sind Gespräche.

53. Ein Gespräch entsteht nicht daraus, dass Dein Unternehmen uns am Ärmel zupft,  um mit uns über ein Produkt zu sprechen, von dem wir nichts hören möchten.

54. Wenn wir an der Wahrheit über Eure Produkte interessiert sind, fragen wir uns untereinander.

55. Wir verstehen, dass diese Gespräche für Euch einen unschätzbaren Wert darstellen. Zu schade, dass sie uns gehören.

56. Sie sind herzlich eingeladen, sich an unseren Gesprächen zu beteiligen. Aber nur, wenn Sie uns sagen, für wen sie arbeiten und für sich selbst als sie selbst sprechen.

57. Jedes mal, wenn Sie uns „Konsument“ nennen, fühlen wir uns wie eine Kuh, die nach der Definition für das Wort „Fleisch“ schaut.

58. Hört damit auf unser Leben zu fracken und zu versuchen auch noch aus der tiefsten Schicht irgendwelche Daten zu extrahieren. Das geht Euch nichts an. Ausserdem interpretieren Eure Maschinen viele Dinge falsch, die sie dabei zu Tage fördern.

59. Aber keine Sorge! Wir werden Euch bescheid geben, wenn wir uns auf dem Marktplatz umschauen. Aber auf unsere eigene Art und Weise. Nicht in Eurer. Vertraut uns. Am Ende des Tages wird das gut für Euch sein.

60. Anzeigen, die menschlich klingen, aber aus dem Reizdarm Ihrer Marketingabteilung stammen, beschmutzen den Stoff aus dem das  Internet gemacht ist.

61. Wenn es für Sie gruselig klingt, dass etwas personalisiert wird, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass Sie verstehen, was es bedeutet eine Person zu sein.

62. Persönlich ist menschlich. Personalisierung ist es nicht.

63. Je menschlicher Maschinen klingen, umso mehr rutschen sie in das dunkle Tal in dem alles nur noch einer Gruselvorstellung gleicht.

64. Bitte hört auf ein neues Gewand für Eure Anzeigen zu schneidern und zu hoffen, dass wir den kleinen Hinweis übersehen, der aus der Unterwäsche herausragt, dass es sich dabei um Werbung handelt.

65. Native Advertising führt nicht nur dazu, dass die eigene Glaubwürdigkeit untergraben wird, sondern auch die der gesamten neuartigen Möglichkeiten, wie wir miteinander umgehen.

66. Wie wäre es Native Advertising als das zu bezeichnen, was es tatsächlich ist: Product Placement, Advertorials oder Fake Fucking News.

67. Werber haben es über Jahrzehnte hinweg geschafft nicht gruselig zu sein. Das ist auch in Zeiten des Internets möglich.

d) Die Gitmo (Guantanamo Bay Naval Base) des Netzes.

68. Wir alle lieben unsere glänzenden Apps, auch wenn sie so fest versiegelt sind, wie eine Mondbasis. Aber stellen Sie alle geschlossenen Apps der Welt zusammen und Sie haben einen Stapel.

69. Setzen Sie alle Webseiten zusammen und Sie haben eine neue Welt.

70. Bei Webseiten geht es um Vernetzung. Bei Apps um Kontrolle.

71. Während wir uns vom Web zu einer App basierten Welt bewegen, verlieren wir die Gemeinsamkeiten, die wir zusammen aufgebaut haben.

72. Im Reich der Apps sind wir Anwender, nicht Macher.

73. Jede neue Website macht das Web größer. Jeder neue Link bereichert das Web.

74. Jedes neue App gibt uns etwas anderes zu tun, während wir mit dem Bus fahren.

75. Autsch, ein billiger Treffer!

76. Hey, „Billiger Treffer“ würde eine großartige neue App ergeben! Über allem würde der Begriff „In-App-Kauf“ stehen.

e) Schwerkraft ist so lange großartig, bis sie uns alle in ein schwarzes Loch zieht.

77. Applikationen, die nicht unabhängig sind, aber auf dem unabhängigen Netz aufgebaut wurden, sind so unausweichlich, wie die Anziehungskraft eines schwarzen Lochs.

78. Wenn Deine Erfahrungen des Internets auf Facebook aufbauen, hast Du Dir von einem Unternehmen Scheuklappen aufsetzen lassen, dass Dich davon abhält diese jemals wieder abzusetzen.

79. Google, Amazon, Facebook, Apple & Co. agieren wie schwarze Löcher. Sie möchten uns an sich binden, wie schwarze Löcher das Licht.

80. Die Singularitäten dieser Unternehmen sind gefährlich. Nicht weil sie böse sind. Viele von ihnen fördern sogar in beeindruckender Art und Weise unser soziales Verhalten. Dafür sollten wir ihnen applaudieren.

81. Aber sie profitieren von der Schwerkraft des Sozialen. Der „Netzwerk Effekt“ führt dazu, dass viele Menschen etwas nutzen, weil viele Menschen es nutzen.

82. Wenn es dabei keine wettbewerbsfähigen gleichwertigen Alternativen gibt, müssen wir extrem wachsam sein und die Titanen des Valleys stets and die Werte erinnern, die auch sie ursprünglich inspiriert haben.

83. Und dann müssen wir es mit viel Tam Tam ehren, wenn einer von uns sich tapfer von ihnen weg bewegt.  Dies sollte sich irgendwo zwischen dem Start einer Rakete und dem Geräusch bewegen, wenn man einen Klettverschluss benutzt, um ein zu enges Kleidungsstück etwas weiter zu machen.

f) Datenschutz im Zeitalter der Spione.

84. Ok. Regierung, ihr habt gewonnen. Ihr habt unsere Daten. Nun, was können wir tun, um sicherzustellen, dass Ihr sie gegen „sie“ und nicht gegen „uns“ verwendet? Kennt Ihr überhaupt den Unterschied?

85. Wenn wir wünschen, dass unsere Regierung sich zurückzieht, können wir uns allerdings nicht beschweren, dass sie uns hätten besser überwachen sollen, wenn wir das nächste mal angegriffen werden.

86. Ein Handel ist kein fairer Handel, wenn wir nicht wissen, was wir dafür aufgeben. Habt ihr verstanden, Sicherheit als Gegenleistung für Datenschutz?

87. Mit einer Wahrscheinlichkeit, die an absolute Sicherheit grenzt, werden wir es noch bereuen, dass wir nicht mehr dagegen getan haben Daten vor unserer Regierungen und den Oberherren der Unternehmen   zurück zu halten.

g) Datenschutz im Zeitalter der Wiesel.

88. Persönliche Privatsphäre ist gut für diejenigen, die sie wollen. Und wir alle ziehen hier irgendwo eine Grenze.

89. Frage: Wie lange hat es für Kulturen vor dem Web-Zeitalter gedauert, um herauszufinden, wo diese Grenze gezogen werden sollte? Antwort: Wie lange gibt es bereits Kulturen?

90. Das Internet ist kaum aus seiner Jugend heraus. Wir stehen am Anfang, nicht am Ende der Privatsphären-Geschichte.

91. Wir können nur herausfinden, was „privat“ bedeutet, wenn wir herausfinden, was es heißt „sozial“ zu sein. Und wir haben gerade erst damit begonnen dies neu zu erfinden.

92. Die wirtschaftliche und politische Anreize die Hosen runter und die Röcke hoch zu ziehen sind groß. Daher sind wir alle clever beraten in blickdichte Unterwäsche zu investieren.

93. Hacker haben uns hier reingebracht. Sie müssen uns hier auch wieder raushauen.

Zu bauen und zu pflanzen…

a) Das Lied „Kumbiyah“ klingt überraschend gut in einem Raum, der einen Nachhall erzeugt.

94. Das Internet ist erstaunlich. Das Web ist genial. Du bist schön. Verbinde uns alle und wir sind noch beindruckender als Jennifer Lawrence. Das sind einfache Tatsachen.

95. Lassen Sie uns also nicht klein reden, was das Netz in den letzten zwanzig Jahren für uns getan hat:

96. Es gibt so viel mehr Musik in der Welt.

97. Wir machen nun das meiste aus unserer Kultur, mit gelegentlichen Ausflügen in ein Kino für etwas Verrücktes, wie eine Tüte Popcorn für 9 $.

98. Politiker müssen ihre Positionen nun wesentlich genauer erklären, als zu jenen Zeit als sie einfach ein einseitiges Positions-Papier durch den Vervielfältiger gejagt haben.

99. Für Alles, was Sie nicht verstehen können Sie nun eine Erklärung finden. Und eine Diskussion darüber. Oder einen Streit. Ist Ihnen überhaupt klar, wie toll das ist?

100. Sie wollen wissen, was Sie kaufen möchten? Das Unternehmen, welches das Objekt der Begierde herstellt, ist nun die denkbar schlechteste Informationsquelle. Die beste Informationsquelle sind wir.

101. Sie wollen in einen Kurs von einer Universität zu einem Thema reinhören, das Sie interessiert? Googeln Sie das Thema. Treffen Sie Ihre Wahl. Kostenlos.

102. Ja, das Internet hat nicht alle Probleme der Welt gelöst. Das ist, warum der Allmächtige uns Esel gegeben hat. Damit wir von ihnen absteigen.

103. Internet-Pessimisten zwingen uns zur Ehrlichkeit. Wir mögen sie nur einfach lieber, wenn sie nicht undankbar sind.

b) Eine Tasche voller Predigten.

104. Wir wollten Ihnen in vier einfachen Schritten erklären, wie Sie das Internet reparieren können. Aber der einzige an den wir uns erinnern können, ist der letzte: Gewinn. Stattdessen gibt es nun einfach ein paar ungeordnete Gedanken…

105. Wir sollten jene Künstler und Kreativen unterstützen, die uns begeistern oder unsere Lasten erleichtern.

106. Wir sollten den Mut haben nach der Hilfe zu fragen, die wir benötigen.

107. Wir leben in einer Kultur, die das Teilen unterbindet und Urheberrecht per Gesetzt schützt. Das Urheberrecht hat seine Existenzberechtigung. Aber wenn man daran zweifelt, sollte man es auflockern.

108. Aus dem Zusammenhang gerissen ist jeder von uns ein A-Loch. Auch wir. Aber das wusstet ihr sicher schon. Wenn man also Menschen zum schwimmen einlädt, sollte man die Regeln gut sichtbar aufhängen. Alle Trolle, raus aus dem Pool!

109. Wenn eine Unterhaltung auf Deiner Seite schlecht läuft ist das Dein Fehler.

110. Wo auch immer eine Unterhaltung stattfindet, niemand schuldet Dir eine Antwort, egal wie berechtigt Dein Anliegen oder gewinnbringend Dein Lächeln auch sein mag.

111. Unterstütze jene Unternehmen, die das Web wirklich „verstanden“ haben. Du erkennst sie nicht nur daran, dass sie wie wir klingen, sondern auch auf unserer Seite stehen.

112. Sicher, Apps bieten schöne Erfahrungen. Aber das Web besteht aus Links, die uns hinausbringen und endlos miteinander verbinden. Für das Leben und Ideen, bis hin zum Tod. Wähle das Leben.

113. Ärger ist eine Lizenz, dumm zu sein. Die Straßen des Internets sind bereits mit Menschen mit einer entsprechenden Lizenz überfüllt.

114. Lebe selber die Werte, von denen Du Dir wünschst, dass Sie vom Internet verbreitet werden.

115. Wenn Sie schon eine Weile gesprochen haben, sollten Sie einfach mal den Mund halten. Das werden wir nun auch gleich machen.

c) Das Zusammensein: Die Ursache und Lösung für jedes Problem.

116. Wenn wir uns auf die Rolle des Volkes im Internet konzentrieren – Sie und uns – während das Internet dabei in Ungnade gefallen ist, dann nur, weil wir nach wie vor den Glauben in uns tragen, mit dem wir gekommen sind.

117. Wir, die Menschen des Internet, können noch nicht verstehen, wie viel wir gemeinsam erreichen können, da wir noch weit davon entfernt sind zu erfinden, wie wir zusammen leben können.

118. Das Internet hat eine uralte Kraft befreit – die Schwerkraft, die uns zusammen bringt.

119. Die Schwerkraft dieser Verbindung ist die Liebe.

120. Lang Lebe das offene Internet.

121. Möge uns das Internet möglichst lange erhalten bleiben, damit wir es weiter lieben können.

PS: Auf sueddeutsche.de gibt es ein interessantes Interview mit Doc Searls, einem der Autoren der New Clues: https://www.sueddeutsche.de/digital/internet-denker-doc-searls-im-netz-sind-wir-nackt-und-firmen-nutzen-das-aus-1.2298409

PPS: Auf einige der Thesen und dazu gehörige Hintergründe gehen wir übrigen in unserem Buch „MARKETING DIGITALE EVOLUTION: Wer klassisch wirbt, stirbt“ näher ein, das in wenigen Wochen erscheint: https://www.amazon.de/MARKETING-DIGITALE-EVOLUTION-klassisch-stirbt/dp/3869802960

 

Übersetzungen

Per Zufall sind wir auf folgende weitere Übersetzung der New Clues gestoßen. Wer die italienische Variante bevorzugt, findet diese hier:

https://medium.com/bee-free-the-social-bee/cluetrain-15-anni-dopo-9d6b4def4d57

Solltet Ihr weitere Übersetzungen finden, postet sie bitte als Kommentar. Dann werden wir auch diese hier verlinken.

 

Dies ist ein Open Source-Dokument

Diese neuen Thesen (New Clues) sind dazu gemacht ohne unsere Genehmigung geteilt und wiederverwendet zu werden. Benutze sie, wie Du möchtest. Mache sie Dir zu eigen. Wir bitten nur, darum, dass auf die ursprüngliche Seite https://cluetrain.com/newclues/ verwiesen wird. Gleiches gilt für unsere Übersetzung. In diesem Fall freuen wir uns über einen Link auf https://www.conceptbakery.de bzw. unseren Blog https://localhost/cb-website/blog/wordpress/

Wenn Sie ein Entwickler sind, der englische Original-Text wird frei verfügbar auf GitHub zur programmatischen Wiederverwendung bereitgestellt. Details finden Sie hier.

Um es so einfach wie möglich zu machen diese Inhalte zu teilen, zu nutzen und wiederzuverwenden haben die Autoren alle Texte dieser Seite auf einer öffentlichen Domain und mit der Creative Common License 0 bereitgestellt. Damit sind sie weitestgehend vom Copyright befreit.

Das Bild im oberen Bereich mit dem Gürteltier und dem Motorrad wurde von e. res auf Flickr unter der Creative Common License 2.0 veröffentlicht. Diese besagt, dass man das Bild nutzen kann, wenn man auf ihn zurück verweist und es mit anderen teilt (Wir haben es leicht bearbeitet, damit es besser zu dieser Seite passt. Trotzdem super Bild e. res!).

Über uns

Vor fünfzehn Jahren haben vier von uns zusammen das Cluetrain-Manifest veröffentlicht. Damit haben wir versucht zu erklären, was die meisten Unternehmen und Medien falsch am Internet verstanden. Diese neuen Thesen stammen nun von zwei der Autoren des damaligen Manifests und dem Buch das daraus resultierte.

Weitere Informationen zu diesem Projekt uns seinen Autoren David Weinberg david@weinberger.org und Doc Searls doc@searls.com findet ihr hier…

3 Kommentare

Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Wie schon das erste Manifest… Echt ein Meilenstein!

  2. Philipp sagt:

    „Wir sind keine Zuschauer oder Empfänger oder Endverbraucher oder Konsumenten.
    Wir sind Menschen – und unser Einfluß entzieht sich eurem Zugriff.“

    So gut, danke!

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  2. […] Clues”. Conceptbakery hat die Gunst der Stunde genutzt und die 121 Thesen (sowie das Vorwort) ins Deutsche übersetzt. In den Thesen machen die Autoren vor allem uns Nutzern den Vorwurf, dass wir denken würden, die […]

  3. […] sagen. So wie es Doc Searls und David Weinberger mit einer neuen Version des Cluetrain-Manifests (deutsche Übersetzung) neulich getan haben. 121 neue Thesen, das ist ziemlich viel Holz, ein paar kann ich nach […]

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